
An das hundertjährige Jubiläum des Deutschen Werkbundes wird an mehreren Orten Deutschlands durch diverse Veranstaltungen erinnert. Das Kaiser Wilhelm Museum in Krefeld zeigt zu diesem Anlass eine repräsentative Auswahl aus seinem Fundus: Neben Architekturfotografien sind vor allem Werbegrafik, aber auch Objekte aus Keramik, Metall und Glas zu sehen.
Der erste Direktor des Kaiser Wilhelm Museums in Krefeld, Friedrich Deneken, gehörte zu den Gründungsmitgliedern des Werkbundes. Die Entstehung dieses Bunds im Jahr 1907 bedeutete nicht nur einen wichtigen Meilenstein für die Entwicklung der modernen Architektur und angewandten Kunst in Mitteleuropa, sondern bereitete zugleich den Weg für das Bauhaus. Deneken bemühte sich, den künstlerischen Gestaltern des Werkbundes Aufträge in Krefeld zu vermitteln und ihre Arbeiten in Ausstellungen zu präsentieren. Unter seinem Nachfolger gelangte dann 1924 der größte Teil der Mustersammlung des Deutschen Werkbundes in den Besitz des Kaiser Wilhelm Museums. Diese Sammlung umfasst Plakate und Werbegrafik renommierter Entwerfer wie Lucian Bernhard, Ludwig Hohlwein oder Rudi Erdt, Glas-, Keramik- und Metallobjekte der Wiener Werkstätte und anderer beispielhafter Manufakturen sowie zeitgenössische Architekturfotografien der für die Moderne wegweisenden Bauwerke von Werkbundarchitekten wie Josef Hoffmann, Hermann Muthesius, Joseph Olbrich oder Peter Behrens. Als wandernde Vorbildersammlung wurden die Exponate auf die Reise geschickt und sollten zusammen mit parallel stattfindenden Vorträgen einen didaktischen Zweck erfüllen. 
© Hans Rudi Erdt, Werbeplakat für Rotkäppchen-Sekt, 1912
Der Wunsch nach gesellschaftlichen Reformen und nach einer zeitgemäßen Formgebung in allen Gestaltungsbereichen erfüllte Intellektuelle, Künstler und Kulturvermittler in Deutschland seit der Jahrhundertwende und hatte sie die Initiative ergreifen lassen. Zwölf Künstler und zwölf Gewerbetreibende hatten 1907 den Gründungsaufruf zum Deutschen Werkbund unterschrieben. Diese Zusammensetzung unterstreicht, dass es um die Annäherung von Kunst, Industrie und Handwerk ging. Von der Verbreitung anspruchsvoll gestalteter Alltagsgegenstände versprachen sich die Partner eine Geschmacksbildung bei größeren Teilen der Bevölkerung, eine Neugestaltung des Lebens und eine allgemeine kulturelle Erneuerung der Gesellschaft, aber auch eine Qualitätssteigerung und neue Absatzchancen für deutsche Waren im eigenen Land und auf dem Weltmarkt. 
© Josef Hoffmann, Karaffe mit Glas aus der Serie "Var.B", um 1911
Der ursprünglich vorgesehene Name "Deutscher Kunstgewerbebund" wurde in "Deutscher Werkbund" abgewandelt, wobei der Wortbestandteil "Bund" die Organisation als berufsübergreifende Gesinnungsgemeinschaft kennzeichnet. Die Komponente "Werk" ließ sowohl "Handwerk", "Kunstwerk" als auch "Fabrik" assoziieren. Wichtigstes Vorbild des Werkbundes war die englische Reformbewegung "Arts and Crafts", die über die Verbindung von Kunst und Handwerk das Künstlerische in die Gestaltung des Alltags zu integrieren versuchte. 
© Josef Hoffmann, Palais Stoclet, Brüssel, 1905/11
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Genau diese Historie zeichnet das Kaiser Wilhelm Museum nun in seiner kleinen, aber feinen Ausstellung nach. Architekturbeispiele werden anhand alter Schwarzweiß-Fotografien präsentiert, Kalligrafien im Original gezeigt und Geschirr oder Besteck aus der frühen Werkbundzeit in Vitrinen präsentiert. Eine Schau für Liebhaber.
Sibylle Eck
Informationen und Öffnungszeiten:
Bis 31. Dezember 2007
Kaiser Wilhelm Museum, Krefeld
Karlsplatz 35,
Di-So von 11-17 Uhr
Tel.: +49 (0)2151 - 975580
www.krefeld.de/kunstmuseen
Bildnachweis rechte Seite:
Lucian Bernhard, Werbeplakat für Bosch, 1913 (VG Bild-Kunst, Bonn)
Peter Behrens, Eingangsbereich des Tapeten- und Linoleumgeschäfts Josef Klein in Hagen, 1906 (VG Bild-Kunst, Bonn)